Geschrieben von Gregor ZehetnerVeröffentlicht am 21. Oktober 20265 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
Du brauchst einen Co-Founder, wenn das Unternehmen Fähigkeiten, Zeit oder Urteilsvermögen braucht, die du nicht hast und nicht bald kaufen kannst, und wenn jemand das Risiko mit dir tragen soll. Du kannst allein starten, wenn du die erste Version selbst bauen und verkaufen kannst und volle Kontrolle willst. Rund ein Drittel der neuen Start-ups startet heute solo, Investoren finanzieren aber weit öfter Teams. Entscheide nach den Lücken in deinem Plan, nicht nach der Angst vor dem Alleinsein.
Wichtiger Hinweis: Dieser Guide ist eine allgemeine Information, keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung. Regeln unterscheiden sich je nach Land und ändern sich, prüfe sie vor einer Entscheidung mit einer Beratung. Weder Autor noch Plattform garantieren für die Aktualität und Richtigkeit der Informationen auf dieser Seite.
Ob du einen Co-Founder brauchst, ist die erste echte Entscheidung eines Start-ups, und sie fällt oft aus den falschen Gründen: weil alle sagen, man brauche einen, oder weil Alleinstarten einsam wirkt. Dieser Guide zeigt, was die Zahlen sagen, wann ein Co-Founder die Chancen ändert, wann nicht, und wie du für deinen Fall entscheidest.
Was sagen die Zahlen zu Solo-Gründern?
Mehr Menschen starten allein als noch vor ein paar Jahren. Laut dem Solo Founders Report von Carta stieg der Anteil neuer Start-ups mit nur einer Gründerin oder einem Gründer von 23,7 Prozent im Jahr 2019 auf 36,3 Prozent im ersten Halbjahr 2025. Bessere Werkzeuge, günstige Infrastruktur und KI-Assistenten machen ein erstes Produkt für eine Person möglich.
Beim Geld sieht es anders aus. Derselbe Bericht zeigt, dass solo geführte Unternehmen rund 30 Prozent der 2024 gegründeten Start-ups ausmachten, aber nur 14,7 Prozent des Geldes aus bepreisten Runden in diesem Jahr bekamen. Investoren finanzieren weiterhin viel öfter Teams. Ein Grund ist das Risiko: Bei einer Person beendet eine Krankheit, ein Burnout oder verlorene Motivation das Unternehmen. Ein zweiter ist das Urteil: Niemand im Unternehmen sagt der Gründerin, wenn sie falsch liegt.
Solo-Gründer stellen auch früher ein. Carta fand, dass sie die erste Person im Median nach 399 Tagen einstellen, Teams nach 480 Tagen. Sie ersetzen den fehlenden Co-Founder durch Mitarbeiter, was bei Fähigkeiten funktioniert, beim geteilten Risiko nicht.
Wann brauchst du einen Co-Founder?
Du brauchst einen Co-Founder, wenn das Unternehmen von etwas abhängt, das du nicht kannst und nicht schnell genug kaufen kannst. Die üblichen Lücken:
- Eine Fähigkeit, die die erste Version braucht. Ist das Produkt Software und du kannst sie nicht bauen, findest du entweder einen technischen Co-Founder, bezahlst eine Agentur mit Geld, das du nicht hast, oder wartest. Ein Co-Founder, der bauen kann, ist die übliche Antwort.
- Die andere Hälfte der Arbeit. Bauen und Verkaufen sind zwei Jobs. Eine Person schafft beides eine Weile, selten über Jahre.
- Zeit. Kannst du dem Unternehmen nur Abende geben, hält ein Co-Founder in Vollzeit es in Bewegung.
- Urteil. Jemand, der dir auf Augenhöhe widerspricht, bevor es Kunden und Investoren tun.
- Durchhaltevermögen. Die harten Monate sind leichter mit jemandem, der dasselbe Risiko trägt. Das ist kein weicher Grund, sondern der, an dem viele Solo-Gründer aufhören.
Noam Wasserman, der für The Founder's Dilemmas Tausende Start-ups untersucht hat, fand, dass die meisten Misserfolge vielversprechender Unternehmen auf Probleme im Gründungsteam zurückgehen. Die Zahl hat er später präzisiert: Von den VC-finanzierten Start-ups mit hohem Potenzial, die scheiterten, scheiterten rund 65 Prozent an Problemen zwischen Menschen. Die Lehre gilt in beide Richtungen. Ein schlechter Co-Founder ist schlimmer als keiner, und ein guter ist die beste Risikominderung, die es gibt.
Wann kannst du allein starten?
Du kannst allein starten, wenn du die erste Version selbst bauen und verkaufen kannst, und wenn du das willst. Manche Unternehmen passen dazu: ein Produkt im eigenen Fachgebiet, eine Dienstleistung, die du selbst erbringst, eine Nische, in der Tempo und Kontrolle wichtiger sind als Größe. Viele Solo-Gründer in Cartas Daten sind erfahrene Leute, die den Job schon gemacht haben und genau wissen, welche Hilfe sie kaufen.
Allein zu starten hat echte Vorteile. Du entscheidest schnell. Du behältst die Anteile, und ein Exit, auch ein kleiner, gehört dir. Du verbringst keinen Abend mit Streit über die Richtung. Was du aufgibst, sind die zweite Meinung und die geteilte Last. Wenn du allein startest, bau beides bewusst ein: eine Beraterin, die dich herausfordert, eine frühe erste Einstellung, eine Gruppe anderer Gründer. Für das Sparring listet die Plattform Fractionista zum Beispiel Advisory-Board-Mitglieder aus verschiedenen Branchen, die mit Unternehmern und Start-ups arbeiten.
Allein zu starten heißt nicht, allein zu bleiben. Viele starten solo, belegen die Idee und suchen dann mit Beweisen in der Hand einen Co-Founder. Das ist eine starke Position: Du weißt, was die Lücke ist, und kannst zeigen, was das Unternehmen wert ist.
Wie entscheidest du für deinen Fall?
Schreib den Plan für die nächsten zwölf Monate auf und markiere jeden Teil, den du nicht selbst kannst. Dann stell zu jeder Lücke drei Fragen:
- Kann ich es schnell genug lernen? Eine Gründerin kann Verkaufen lernen. Die wenigsten lernen in einem Jahr, ein Produktivsystem zu bauen.
- Kann ich es kaufen? Freelancer, Agenturen und eine erste Einstellung schließen viele Lücken, wenn Geld da ist und die Lücke nicht der Kern des Produkts ist.
- Braucht dieser Teil jemanden, der ihn als Eigentümer trägt? Für manche Aufgaben reicht ein Auftragnehmer, der liefert und wieder geht. Andere brauchen eine Person, die sie als ihr eigenes Unternehmen betrachtet und über Jahre verantwortet. Das Kernprodukt gehört fast immer zur zweiten Gruppe.
Übersteht eine Lücke alle drei Fragen, brauchst du dafür einen Co-Founder, und du weißt jetzt, welchen. Das ist der Auftrag für deine Suche, und ein viel besserer als „jemand Technisches“ oder „jemand mit Business-Verstand“. Unser Guide Co-Founder finden beginnt bei diesem Auftrag, und die Fragen an einen potenziellen Co-Founder helfen zu prüfen, ob eine Person ihn wirklich erfüllt.
Was solltest du nicht tun?
- Nimm keinen Co-Founder für die Gesellschaft. Ein Freund, der die Begeisterung teilt, aber keine Lücke, kostet Anteile und bringt Entscheidungen.
- Nimm nicht die erste Person, die Ja sagt. Der Mangel an Co-Foundern ist real und verführt zu schnellen Bindungen. Ein Probeprojekt von wenigen Wochen zeigt mehr als ein Dutzend Kaffees.
- Versprich keine Anteile, bevor ihr die Beiträge geklärt habt. Legt zuerst fest, was jede Person einbringt; unser Guide zum Aufteilen von Equity unter Co-Foundern zeigt, was zählen sollte.
- Verwechsle keinen Co-Founder mit einer ersten Einstellung. Ein Co-Founder teilt Risiko, Anteile und letzte Entscheidungen. Eine Mitarbeiterin bekommt Gehalt und einen kleineren Anteil. Beides ist in Ordnung, aber es sind verschiedene Deals.
Lautet deine Antwort „Ich brauche einen“, ist Cofoundista genau für diesen Schritt gebaut: Gründer veröffentlichen eine Co-Founder-Suche mit der Lücke, die sie füllen müssen, und wer in ein Venture einsteigen will, sieht den Fit, bevor jemand eine Nachricht schreibt. Lautet sie „noch nicht“, zeigen die offenen Rollen trotzdem, was Gründer in Europa gerade suchen, ein nützlicher Spiegel für den eigenen Plan.
Das Wichtigste
- Entscheide nach den Lücken bei Fähigkeiten, Zeit und Urteil, nicht nach dem, was mutig oder sicher klingt.
- Rund ein Drittel der neuen Start-ups startet solo, finanzierte Unternehmen sind meist Teams.
- Ein Co-Founder ist keine Einstellung: Er teilt Risiko, Anteile und Entscheidungen.
- Allein zu starten passt, wenn du die erste Version selbst bauen und verkaufen kannst.
- Wenn du einen Co-Founder suchst, such nach der Lücke, nicht nach einem Freund.
Fragen dazu
Welche Vorteile hat es, allein zu starten?
Tempo und Klarheit. Du entscheidest allein, behältst alle Anteile und streitest nie über die Richtung. Solo-Gründer stellen auch früher die erste Person ein, sie ersetzen den fehlenden Co-Founder also durch Mitarbeiter. Der Preis: Jede Schwäche von dir ist eine Schwäche des Unternehmens.
Kann ich als Solo-Gründer Geld aufnehmen?
Ja, aber es ist schwerer. Solo geführte Unternehmen sind ein großer Teil der neuen Start-ups und ein viel kleinerer Teil des Geldes aus bepreisten Runden. Investoren fürchten das Ausfallrisiko und fragen, wer der Gründerin widerspricht. Ein starkes frühes Team oder Berater mildern das.
Kann eine erste Einstellung einen Co-Founder ersetzen?
Teilweise. Eine starke erste Person schließt eine Fähigkeitslücke und arbeitet oft genauso hart. Was sie nicht tut: Risiko, Anteile und letzte Entscheidungen teilen. Wer ein Jahr ohne Gehalt bleibt und dir auf Augenhöhe widerspricht, ist ein Co-Founder.
Ist ein Co-Founder die Hälfte des Unternehmens wert?
Wenn die richtige Person die Chance verdoppelt, dass es klappt, ist die Hälfte eines funktionierenden Unternehmens mehr wert als alles an einem gescheiterten. Füllt die Person keine echte Lücke, gibst du Anteile für Gesellschaft her. Entscheide nach der Lücke, und lies unseren Guide zum Aufteilen von Equity, bevor du eine Zahl versprichst.

Gründer von Cofoundista. Begleitet Gründungsteams als Mentor bei Inkubatoren, hat selbst gegründet und verkauft.
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