Geschrieben von Gregor ZehetnerVeröffentlicht am 20. Oktober 20266 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
Wer Equity aufteilen will, sollte bewerten, was jede Person einbringt und riskiert: Zeit, Geld, die Idee, Fähigkeiten und Erfahrung. Entscheidet in den ersten Wochen und haltet es in einer Gründervereinbarung fest. Bindet jeden Anteil an Vesting mit einem Cliff von einem Jahr, damit niemand nach einem frühen Ausstieg einen großen Anteil behält. 50/50 passt nur bei gleichen Beiträgen, und Teams, die hastig teilen, bereuen es später oft.
Das Wichtigste
- Teilt nach Beitrag und Risiko, nicht aus Höflichkeit: Zeit, Geld, Idee, Fähigkeiten und Erfahrung.
- Entscheidet in den ersten Wochen, schriftlich, und nehmt eine unbequeme Stunde in Kauf.
- Vesting mit einem Cliff von einem Jahr schützt das Unternehmen und jeden, der bleibt.
- 50/50 passt nur bei gleichen Beiträgen; eine ungleiche Aufteilung braucht einen Grund, den beide akzeptieren.
- Prüft die Aufteilung neu, wenn sich Rollen ändern, nicht wenn sich Gefühle ändern.
Equity aufteilen heißt, den ersten Deal des Unternehmens zu machen: Wer hält welchen Anteil, und warum? Es ist die Entscheidung, die die meisten Teams zu schnell treffen und zu wenig besprechen. Dieser Guide zeigt, was zählen sollte, warum 50/50 oft ein Reflex und kein Ergebnis ist, und wie Vesting den Deal fair hält, wenn sich das Leben ändert.
Warum ist die Aufteilung so wichtig?
Die Aufteilung legt fest, welchen Anteil am Unternehmen jede Gründerin und jeder Gründer hält, und damit den Anteil an jedem künftigen Gewinn, jeder Stimme und jeder Verwässerung. Sie prägt, wer sich als Eigentümer fühlt und wer als Helfer. Eine Aufteilung, die eine Person stillschweigend als ungerecht empfindet, kommt später hoch, meist im schlechtesten Moment: bei einer Finanzierungsrunde, in einem harten Quartal, oder wenn ein Co-Founder über den Ausstieg nachdenkt.
Teams regeln das früh und schnell. In einer Studie mit mehr als 3.700 Gründern fanden Thomas Hellmann und Noam Wasserman, dass 73 Prozent der Teams ihre Anteile im ersten Monat aufteilen, viele in einem einzigen Gespräch. Wer schnell teilte, wählte deutlich öfter eine gleiche Aufteilung, und genau diese schnellen 50/50-Deals wurden später am häufigsten bereut.
Die Lehre daraus ist nicht, monatelang zu warten. Sie lautet: ein ehrliches Gespräch früh führen, mit einer Methode dahinter, statt per Handschlag ein 50/50 zu besiegeln, das niemand hinterfragt hat.
Was zählt, wenn ihr Equity aufteilen wollt?
Anteile belohnen Beitrag und Risiko. Eine faire Aufteilung beginnt mit einer Liste dessen, was jede Person jetzt einbringt und für die nächsten Jahre zusagt. Die üblichen Faktoren:
- Zeit. Vollzeit ab dem ersten Tag wiegt viel mehr als Abende und Wochenenden. Wer anderswo ein Gehalt behält, trägt weniger Risiko.
- Geld. Bargeld, das jemand einbringt, oder ein Gehalt, auf das jemand verzichtet, ist ein echter Beitrag. Behandelt es so, aber lasst es die Aufteilung nicht dominieren: Ein Darlehen oder eine kleine Runde kann Geld getrennt bepreisen.
- Die Idee. Sie ist etwas wert, aber weniger, als die meisten denken. Die Umsetzung über Jahre baut das Unternehmen.
- Fähigkeiten und Erfahrung. Eine seltene Fähigkeit, die das Unternehmen nicht kaufen kann, ein früherer Exit oder ein Netzwerk, das die ersten Kunden öffnet, zählen.
- Rolle und Verantwortung. Wer das Unternehmen als CEO trägt oder ein Jahr lang allein das Produkt baut, übernimmt mehr.
Mehrere Gründer haben dafür Modelle veröffentlicht. Der Leitfaden von Justin Kan bei der Long-Term Stock Exchange startet jede Person mit einer Basis und rechnet die Faktoren oben dazu oder ab. Andere bewerten jeden Faktor von eins bis fünf, gewichten ihn und rechnen die Summen auf 100 Prozent um. Die Methode ist weniger wichtig als das Gespräch, das sie erzwingt: Ihr müsst aussprechen, was ihr voneinander erwartet.
Wie Equity aufteilen, wenn die Beiträge ungleich sind?
Erst bewerten, dann reden. Jede Person füllt die Faktoren für sich aus, dann vergleicht ihr. Große Abstände in den Bewertungen sind die eigentliche Agenda: Sie zeigen, wo die Erwartungen auseinandergehen, und genau das müsst ihr klären, bevor eine Zahl final ist.
Ein Beispiel. Zwei Personen gründen ein Softwareunternehmen. Eine kündigt ihren Job, arbeitet ab Tag eins Vollzeit, bringt die Branchenkontakte mit und wird verkaufen. Die andere behält sechs Monate lang einen Teilzeitjob und baut das Produkt. Mit Zeit als höchstem Gewicht ist eine Aufteilung um 60/40 üblich, oft mit dem Plan, näher an gleich zu rücken, sobald die zweite Person Vollzeit einsteigt. Eine dritte Person, die sechs Monate später nach den ersten Kunden dazukommt, bekommt meist weniger als die beiden, die das frühe Risiko trugen.
Kommt nach ehrlicher Bewertung ein Gleichstand heraus, ist 50/50 die richtige Antwort. Kommt 55/45 heraus und der kleinere Anteil fühlt sich falsch an, sagt es jetzt. Eine Aufteilung, die eine Seite nur akzeptiert, um Streit zu vermeiden, ist kein Deal, sondern ein Aufschub.
Vermeidet zwei Extreme. Das eine ist die dynamische Aufteilung, die Anteile jeden Monat aus erfassten Stunden neu berechnet. Das klingt fair, macht Gründer aber zu Buchhaltern füreinander. Das andere ist ein großer Aufschlag für die Idee: Eine Idee ohne Umsetzung ist sehr wenig wert, und der Aufschlag wird zum Ärgernis, sobald die Arbeit beginnt.
Warum macht Vesting jede Aufteilung sicherer?
Vesting bedeutet, dass eine Gründerin ihre Anteile über die Zeit erdient, statt sie ab Tag eins vollständig zu halten. Der Standard, den Investoren erwarten und die meisten Anwälte empfehlen, sind vier Jahre mit einem Cliff von einem Jahr: Im ersten Jahr wird nichts erdient, zum ersten Jahrestag ein Viertel, danach monatlich der Rest.
Vesting ändert die Frage von „Was, wenn wir falsch geteilt haben?“ zu „Was, wenn jemand geht?“. Wer nach acht Monaten geht, behält nichts. Wer nach zwei Jahren geht, behält die Hälfte seiner Anteile, was für zwei Jahre Arbeit fair ist, und der Rest fällt an das Unternehmen zurück. Ohne Vesting behält die Person alles. Investoren nennen das Dead Equity, und viele investieren erst, wenn es bereinigt ist, also die Person zu einem Preis ausgekauft wurde, der niemandem gefällt.
Bei einer GmbH oder FlexCo in Österreich und Deutschland bestehen die Anteile ab der Gründung vollständig. Vesting für Gründer wird deshalb vertraglich als Reverse Vesting vereinbart: Die Gründer vereinbaren, dass nicht erdiente Anteile beim Ausstieg zum Nominalwert zurückgekauft werden können. Kanzleien wie Herfurtner beschreiben die Klauseln, die das tragfähig machen, einschließlich Good-Leaver- und Bad-Leaver-Regeln und des Preises im jeweiligen Fall. Lasst diese Klauseln anwaltlich aufsetzen; eine Vesting-Klausel, die vor Gericht scheitert, schützt niemanden.
Wann und wie haltet ihr es fest?
Entscheidet in den ersten Wochen der Zusammenarbeit, vor dem ersten Kunden, der ersten Einstellung und dem ersten Investorengespräch. Je länger ihr wartet, desto mehr hängt an der Aufteilung, und desto schwerer wird das Gespräch.
Haltet sie in einer Gründervereinbarung fest, auch bevor das Unternehmen existiert. Sie sollte die Aufteilung enthalten, den Vesting-Plan, was als Good Leaver und Bad Leaver gilt, wer was entscheidet, wie viel Zeit jede Person zusagt, und was mit Idee und Code passiert, wenn das Team vor der Gründung auseinandergeht. Nach der Gründung wandern dieselben Punkte in die Gesellschaftervereinbarung, wie Kanzleien wie Compound für deutsche Start-ups beschreiben. Unser Guide zu den Fragen an einen potenziellen Co-Founder behandelt das Gespräch, das vor dem Vertrag kommen sollte.
Dann rechnet die Zahlen durch. Unser kostenloser Cap-Table-Rechner zeigt, wie die Aufteilung der Gründer nach einem Optionspool und zwei Finanzierungsrunden aussieht, sodass alle sehen, dass aus 60/40 heute zum Beispiel 42/28 nach einer Seed-Runde wird. Die Verwässerung gemeinsam zu sehen, nimmt den letzten Prozentpunkten oft die Schärfe.
Welche Fehler sind typisch?
- Im ersten Gespräch teilen. Unter den 73 Prozent, die im ersten Monat teilen, sind viele, die nie über Beiträge gesprochen haben.
- Gleiche Anteile bei ungleichem Einsatz. Die Hälfte des Unternehmens für jemanden, der ein Jahr lang Teilzeit bleibt, ist die häufigste Quelle von Groll.
- Kein Vesting, weil „wir uns vertrauen“. Bei Vesting geht es nicht um Vertrauen, sondern um die Fälle, die niemand plant: Krankheit, ein Umzug der Familie, ein besseres Angebot.
- Die Idee zu hoch bepreisen. Die Idee bekommt höchstens einen kleinen Aufschlag.
- Die Aufteilung als endgültig sehen. Rollen ändern sich. Vereinbart jetzt, wann ihr sie neu prüft, und knüpft Änderungen an Vesting statt an neue Versprechen.
Wer noch die richtige Person für dieses Gespräch sucht: So funktioniert Cofoundista, und hier sind die offenen Co-Founder-Rollen. Der Fit-Score berücksichtigt die Erwartungen an die Beteiligung auf beiden Seiten, sodass das erste Gespräch über Anteile auf derselben Seite beginnt.
Fragen dazu
Ist eine 50/50-Aufteilung eine schlechte Idee?
Nicht immer. Sie passt, wenn beide Gründer gleich viel Zeit, Geld und Fähigkeiten einbringen und das Risiko teilen. Sie scheitert, wenn eine Person viel mehr leistet und die andere dafür die Hälfte des Unternehmens behält. Entscheidet nach Beitrag, und wenn das gleich ausfällt, ist 50/50 in Ordnung.
Was ist ein Vesting-Cliff?
Der Cliff ist die erste Phase eines Vesting-Plans, meist ein Jahr, in der noch keine Anteile erdient werden. Wer vor dem Cliff geht, behält nichts. Danach werden die Anteile Monat für Monat erdient. Der Cliff schützt das Unternehmen vor einem kurzen Gastspiel.
Was passiert mit den Anteilen, wenn ein Co-Founder geht?
Mit Vesting gehen die noch nicht erdienten Anteile an das Unternehmen oder die anderen Gründer zurück, die erdienten bleiben bei der Person. Ohne Vesting behält sie alles. Investoren nennen das Dead Equity und akzeptieren es oft nicht.
Soll die Person mit der Idee mehr Anteile bekommen?
Ein wenig, wenn überhaupt. Eine Idee ist etwas wert, die Jahre Arbeit danach sind viel mehr wert. Viele Modelle geben der Idee einen kleinen Aufschlag und gewichten Vollzeit, Geld und seltene Fähigkeiten deutlich höher.
Können wir die Aufteilung später ändern?
Ja, aber es wird mit jedem Monat und jedem Investor schwerer. Anteile einer GmbH oder FlexCo zu übertragen braucht meist einen Notar, und Investoren wollen einen klaren Cap Table. Entscheidet jetzt sorgfältig und baut Vesting ein, dann sind die meisten Fälle schon geregelt.
Gründer von Cofoundista. Begleitet Gründungsteams als Mentor bei Inkubatoren, hat selbst gegründet und verkauft.
Gregor auf LinkedInDieser Guide ist eine allgemeine Information, keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung. Regeln unterscheiden sich je nach Land und ändern sich, prüfe sie vor einer Entscheidung mit einer Beratung.